Nathan
, der älteste Sohn von
Mayer Amschel Rothschild, gilt bis heute als größtes
Finanz- und Geschäftsgenie der Familie und der
damaligen Zeit überhaupt.
1796 ging er nach
Großbritannien (ab 1806 britischer
Staatsbürger) und gründete eine Handelsfirma in
Manchester, die auch als Agent für die
Frankfurter Rothschilds fungierte. Außerdem
konnte er sich durch die Gewährung niedriger
Provisionen im Diskontgeschäft etablieren.
Seine große Chance eröffnete sich durch die Kontinentalsperre
ab 1806, die zu einer großen Kostensteigerung im
Im-/Exportgeschäft führte. Der Handel barg
große Risiken, versprach aber auch sehr hohe
Profite.
Nathan
baute ein großes Schmuggelnetz von
Großbritannien aus auf, mit dem er die Waren auf
den Kontinent brachte und weitertransportierte.
Er nutzte die Chancen, die sich für einen
risikobereiten Unternehmer durch die Blockade
boten, meisterhaft. Innerhalb von 5
Jahren stieg er zum wichtigsten Finanzier der
britischen Regierung auf. Seine
schärfsten Konkurrenten Abraham Goldsmid und Sir
Francis Baring starben beide 1810.
Sein Aufstieg vollzog sich in 3 PHASEN :
Nathan investierte die 300 000 Pfund (zu der
damaligen Zeit eine ungeheure Summe), die ihm der
Kurfürst von Hessen-Kassel anvertraute, in
britische Staatsanleihen, allerdings auf den
Namen Rothschild (wegen der Geheimhaltung), was
der Familie großes Prestige und Kredit
einbrachte.
Diese 300 000 Pfund hatte Nathan jedoch zuvor
für zahlreiche kurzfristige und sehr
erfolgreiche Spekulationen genutzt, insbesondere
mit Gold. Grundlage dafür war das große
Verbindungsnetz, das er für den Schmuggel
geschaffen hatte und das ihn mit exklusiven und
schnellen Informationen versorgte. Dabei ging er
stets sehr hohe Risiken ein.
In äußerst
komplizierten Transaktionen schmuggelte er
große Mengen Gold beiderseits des
Ärmelkanals. Er schmuggelte je nach der
Kriegslage und verdiente ein riesiges Vermögen
damit. Sein Bruder James ging nach Frankreich, um
dort die Transaktionen abzuwickeln.
Die Gewinne legte Nathan in Staatspapieren an.
1813 legte Nathan einen Plan zur Finanzierung
der britischen Truppen in Spanien vor.
Rothschild erhob Wechsel auf die Pariser Banken,
die das aus Großbritannien geschmuggelte Gold
bewahrten. Diese Papiere wurden zum britischen
Feldmarschall Wellington gesandt, der sie dann
bei spanischen Banken einlösen konnte. Dadurch
war die Finanzierung gesichert und Rothschild
verschuf sich beste Kontakte zur englischen
Regierung.
1814 sicherten
die Rothschilds in einem gigantischen Coup die Versorgung
der britischen Truppen im Süden Frankreichs
mit französischen Francs (als Sold für die
Soldaten) , indem sie in ganz Europa diese
Münzen sammelten und den Transport
organisierten.
Großbritannien zahlte 1812 bis 1814 ca.30 Mio
Pfund Subsidien an die Länder des Kontinents,
wovon Nathan > 50 % abwickelte (seine
Provisionen lagen vermutlich bei knapp 1 Mio
Pfund). Nathan war außerdem der absolute Meister
der Arbitrage (Kursdifferenzen auf den
internationalen Finanzmärkten) während der
Kriege.
Durch seinen
Informationsdienst erfuhr Nathan in London noch
vor dem Premierminister von dem Sieg bei Waterloo
und nutzte diese exklusive Nachricht für einen
riesigen Spekulationsgewinn.
Er verkaufte schnell den Großteil seiner
Börsenapiere, woraufhin ihm viele Börsenleute
folgten, da er als führender Finanzmann galt und
er Informationen über eine englische Niederlage
zu haben schien. Als der Kurs stark abgesunken
war, kaufte er die Papiere wieder auf.
= 1815 war
Nathan eine der reichsten Personen in
Großbritannien